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Full text of "Der Traum eines lächerlichen Menschen"

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Der Traum 

eines 
lächerlichen 
Menschen 




Dostoyevsky 





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DOSTOJEWSKI 

DER TRAUM EINES 
LÄCHERLICHEN MENSCHEN 



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DOSTOJEWSKI 



DER TRAUM EINES 
LÄCHERLICHEN 
MENSCHEN 



19 2 2 

Verlag der Wiener Graphischen Werkstätte 
Leipzig Wien 



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Übersetzt von Julius 
Nachwort von Leo Langhammer 
Mit 4 Lithographien von Franz Wimmer 



Alle Rechte vorbehalten 
Copyright 1922 by Verlag der Wiener Graphischen WerkstSttc 



DRUCK DER OFFIZIN DER WALDHEIM-EBERLE Л. G„ WIEN 



DER TRAUM EINES LÄCHERLICHEN 

MENSCHEN 

PHANTASTISCHE ERZAHLUNG 

L 

Ich bin ein lächerlicher Mensch. Jetzt nennen sie mich 
einen Verrückten. Das wäre eine Rangerhöhung, wenn 
ich für sie nicht ebenso lächerlich bliebe wie bisher. Aber 

S jetzt ärgere ich mich nicht mehr, jetzt sind sie mir alle 
lieb, auch wenn sie über mich lachen — ja, da sind sie 
mir aus irgend einem Grunde besonders lieb. Ich würde 

^ selber mitlachen — nicht so sehr über mich, vielmehr 
ihnen zuliebe, wenn mir bei ihrem Anblick nicht so trau- 

^ rig zu Mute würde. Deshalb so traurig, weil sie dieWahr- 

^ heit nicht kennen, wogegen ich sie kenne. Ach, wie 
schwer ist es, ganz allein die Wahrheit zu wissen! Das 
werden sie aber nicht begreifen, nein, das werden sie 

^ nicht. 

^ Früher litt ich sehr darunter, daß ich lächerlich 
schien. Nein, nicht schien, sondern war. Ich war immer 
lächerlich und ich weiß das möglicherweise schon seit 
meiner Geburt. Vielleicht wußte ich schon mit sieben 
Jahren, daß ich lächerlich bin. Dann besuchte ich die 
Schule, kam auf die Universität, doch je mehr ich lernte, 
desto mehr erfuhr ich, daß ich lächerlich sei. So daß 
schließlich mein ganzes Universitätsstudium nur den 
Zweck hatte, mir in dem Maße, als ich mich in dasselbe 
vertiefte, zu beweisen, daß ich lächerlich bin. Ähnlich 
wie in der Wissenschaft erging es mir auch im Leben. 
Mit jedem Jahre wuchs und erstarkte in mir die Er- 
kenntnis meiner Lächerlichkeit in jeder Hinsicht. Über 

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mich lachten alle, überall. Doch niemand wußte und 
keiner erriet es, daß, wenn in der Welt ein Mensch lebte, 
der besser als alle anderen wußte, daß ich lächerlich sei, 
ich selber dieser Mensch bin, und dies war für mich am 
meisten kränkend, daß niemand es wußte. Doch daran 
war ich selbst schuld: ich war stets derart stolz, daß 
ich um nichts in der Welt jemandem dies eingestanden 
hätte. Dieser Stolz wuchs in mir mit den Jahren und 
wenn es geschehen wäre, daß ich mir erlaubt hätte, je- 
mandem meine Lächerlichkeit zu gestehen, hätte ich mir, 
glaube ich, am selben Abend mit einer Revolverkugel 
den Schädel zerschmettern müssen. Oh, wie litt ich in 
meiner Jugend darunter, daß ich mich nicht zurückhalten 
könnte und plötzlich meinen Kameraden ein Geständnis 
darüber ablegen müßte! Doch seit der Zeit, da ich zum 
Jüngling heranwuchs, wurde ich aus irgend einem Grunde 
ruhiger, obwohl ich mir mit jedem Jahre dieser furcht- 
baren Eigenschaft immer mehr und mehr bewußt wurde. 
Aus einem unbekannten Grunde, weil ich bis heute nicht 
bestimmt sagen könnte, warum. Möglicherweise, weil in 
meiner Seele eine furchtbare Schwermut heranwuchs, 
deren Grund mein ganzes Wesen ergriffen hatte: das 
war die Überzeugung, von der ich durchdrungen war, 
daß überall auf der Welt alles einerlei sei. Ich ahnte es 
schon lange, aber die volle Überzeugung kam erst im 
letzten Jahre irgendwie ganz plötzlich zum Vorschein. 
Ich empfand auf einmal, daß es mir ganz einerlei sei, ob 
die Welt bestehe ocler ob es überhaupt nichts gebe. Ich 
fing an, mit meinem ganzen Wesen zu fühlen und zu 
empfinden, daß es außer mir nichts gebe. Zuerst schien es 
mir immer, als ob dafür früher vieles dagewesen sei; später 
jedoch kam ich darauf, daß es auch früher außer mir 
nichts gegeben habe, sondern es mir nur so erschienen 
war. Nach und nach kam ich zu der Überzeugung, daß 
es auch künftighin nichts geben werde. Jetzt hörte ich 
plötzlich auf, den Menschen gram zu sein und begann, 
sie nicht zu beachten. Ja, das äußerte sich selbst in den 
kleinsten Dingen: es kam zum Beispiel vor, daß ich auf 

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der Straße mit den Leuten zusammenstieß, und zwar 
nicht, weil ich in Gedanken vertieft war — worüber 
hätte ich nachdenken sollen, ich hatte damals gänzlich 
zu denken aufgehört, mir war doch alles einerlei. Hätte 
ich noch irgend welche Probleme gelöst! Oh, kein einziges 
habe ich gelöst und ihrer waren so viele 1 Doch mir 
wurde alles einerlei und sämtliche Probleme rückten in 
die Ferne. 

Und siehe, nachher erfuhr ich die Wahrheit. Ich 
erkannte sie im verflossenen November, genau am dritten 
November, und seit der Zeit erinnere ich mich jedes 
Augenblickes. Das war an einem finsteren, sehr finsteren 
Abend, so finster als er nur sein kann. Ich kehrte damals 
um elf Uhr abends heim und dachte gerade darüber 
nach — ich erinnere mich dessen genau — daß es eine 
noch finsterere Zeit nicht geben könnte. Selbst physisch 
genommen. Tagsüber hatte es geregnet, das war der 
kälteste und dunkelste Regen, ein abscheulicher, stürmi- 
scher Regen — ich erinnere mich noch — einer mit einer 
offenkundigen Feindschaft gegen die Menschen. Und nun 
hörte er um elf Uhr nachts plötzlich auf und es begann 
eine furchtbare Feuchtigkeit, es wurde noch nässer und 
kälter als während des Regens und von überall her erhob 
sich eine Art Dampf, von jedem Steine auf der Straße 
und aus jedem Gäßchen, wenn man aus der Ferne, von 
der Straße aus, ganz tief hineinblickte. Mir kam es plötz- 
lich durch den Sinn, daß es viel freundlicher wäre, wenn 
überall die Gasflammen erlöschten; das Gaslicht mache 
das Herz noch schwerer, weil es all dies beleuchte. Ich 
hatte an diesem Tage nicht zu Mittag gegessen und war 
seit früher Abendstunde bei einem bekannten Ingenieur 
gesessen, bei dem noch zwei Freunde anwesend waren. 
Ich schwieg die ganze Zeit und es wurde ihnen schein- 
bar lästig. Sie sprachen über irgend etwas Strittiges und 
gerieten sogar plötzlich in heftigen Streit. Doch ich 
merkte, ihnen war alles einerlei und sie ereiferten sich 
nur zum Schein. Ich sagte es plötzlich auch heraus: 
„Meine Herren, euch ist doch das alles ganz einerlei!" 

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Sie fühlten sich gar nicht beleidigt, sondern fingen über 
mich zu lachen an. Und warum? Weil ich es ohne jeden 
Vorwurf gesagt hatte, weil mir selbst alles einerlei war. 
Sie erkannten, daß mir alles einerlei sei und das erhei- 
terte sie. 

Als ich auf der Straße über die Gasbeleuchtung 
nachdachte, blickte ich zum Himmel auf. Er war un- 
heimlich finster, doch konnte man deutlich zerrissene 
Wolken ausnehmen und dazwischen bodenlose schwarze 
Flecken. Plötzlich entdeckte ich in einem dieser Flecken 
ein winziges Sternlein und begann dasselbe aufmerksam 
zu betrachten. Das geschah deshalb, weil mir dieser 
Stern einen Gedanken eingab: Ich beschloß, mich in 
derselben Nacht noch zu erschießen. Das hatte ich 
schon vor zwei Monaten fest beschlossen und so arm ich 
auch war, hatte ich mir doch einen prächtigen Revolver 
gekauft und ihn am selben Tage geladen. Seither jedoch 
waren zwei Monate vergangen — er lag noch immer in 
der Truhe. Mir war dermaßen alles einerlei, daß ich 
Lust bekam, schließlich einen Augenblick abzupassen, 
da mir nicht alles so gleichgültig wäre . . . warum, das 
weiß ich nicht. Und so kam es, daß ich während jener 
zwei Monate jede Nacht, wenn ich heimkehrte, glaubte, 
daß ich mir das Leben nehmen werde. Ich wartete auf 
jenen Augenblick. 

Nun gab mir dieser winzige Stern einen Gedanken 
ein und ich beschloß, daß es in dieser Nacht schon 
unabänderlich geschehen müsse. Warum jener Stern mir 
diesen Gedanken eingab, ich weiß es nicht. 

Und siehe da, als ich so gegen den Himmel schaute, 
faßte mich jenes kleine Mädchen am Ellbogen. Die 
Straße war schon leer und fast kein Mensch war zu sehen. 
In der Ferne schlief ein Kutscher in seiner Droschke. Das 
Mädchen war gegen acht Jahre alt, hatte nur ein Kleid- 
chen und ein Tüchelchen, war ganz durchnäßt, doch mir 
fielen seine durchnäßten, zerrissenen Stiefelchen auf, an 
die ich mich noch jetzt erinnere. Sie stachen mir ganz be- 
sonders in die Augen. Das Mädchen zupfte mich plötz- 

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lieh am Ärmel und rief mich an. Sie weinte nicht, son- 
dern stieß irgend welche abgerissene Worte hervor, die 
sie nicht deutlich aussprechen konnte, da sie am ganzen 
Körper vor Kälte zitterte. Irgend etwas hatte sie in 
Schrecken versetzt und sie rief voller Verzweiflung: 
„Mutti, Mutti Г * Ich sah mich einmal nach ihr um, sagte 
aber kein Wort und setzte meinen Weg fort, sie aber 
lief neben mir und zupfte mich am Ärmel. Aus ihrer 
Stimme klang jener Ton heraus, der bei erschrockenen 
Kindern Verzweiflung bedeutet. Ich kenne diesen Ton. 
Obwohl sie keine Worte hinzufügte, begriff ich doch, 
daß ihre Mutter irgendwo im Sterben lag oder sonst 
etwas dort bei ihnen geschehen sein mußte, und daß sie 
hinausgelaufen war, um Hilfe für ihre Mutter zu finden. 
Ich aber folgte ihr nicht, im Gegenteil, bei mir setzte 
sich der Gedanke fest, sie fortzujagen. Zuerst sagte ich 
ihr, sie solle einen Schutzmann suchen. Sie aber faltete 
plötzlich die Händchen und lief schluchzend, außer 
Atem, mir zur Seite und wich nicht von mir. Und da 
stamphe ich mit dem Fuße und schrie sie an. Sie stam- 
melte nur: „Herr, Herr!" dann verließ sie mich und lief 
kopfüber auf die andere Seite der Straße: dort erschien 
irgend ein Vorübergehender und sichtlich lief sie von mir 
zu ihm hinüber. 

Ich stieg in meinen fünften Stock. Ich wohne als 
Aftermieter in einer Art Herberge. Mein Zimmer ist 
klein und ärmlich, das Fenster ist halbrund, wie in einer 
Dachstube. Ich habe einen mit Wachstuch überzogenen 
Diwan, einen Tisch, auf dem Bücher stehen, zwei Ses- 
sel und einen Lehnstuhl, der alt, sehr alt, aber bequem 
ist. Ich setzte mich, zündete die Kerze an und begann 
nachzudenken. Im Nebenzimmer, das nur durch eine 
dünne Wand getrennt ist, herrschte andauernder Lärm; 
so ging es dort schon seit drei Tagen zu. Darin wohnte 
ein verabschiedeter Hauptmann und bei ihm waren 
Gäste — sechs Mann. Sie tranken Branntwein und spiel- 
ten mit abgenützten Karten „Stoß". In der vergangenen 
Nacht war es zu einer Prügelei gekommen und ich weiß, 

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daß zwei von ihnen sich lange Zeit gegenseitig in den 
Haaren lagen. Die Wirtin wollte sich beschweren, doch 
sie hat große Angst vor dem Hauptmann. An sonstigen 
Bewohnern sind in unserer Herberge nur noch eine kleine, 
magere Offiziersdame, eine Zugereiste mit drei kleinen 
Kindern, die schon bei uns hier erkrankt sind. Sie, wie 
auch die Kinder fürchten den Hauptmann aufs äußerste, 
zittern und bekreuzigen sich die ganze Nacht; das kleinste 
Kind bekam einmal vor Schreck einen Anfall. Derselbe 
Hauptmann — ich weiß es bestimmt — hält zuweilen 
auf dem Newskiprospekt die Vorübergehenden an und 
bittet sie um Almosen. Er wird in keinen Dienst ge- 
nommen, aber sonderbarerweise — deshalb erzähle ich 
von ihm — hat er während des ganzen Monates, seitdem 
er bei uns wohnt, bei mir nie Ärgernis erregt. Der Be- 
kanntschaft mit ihm wich ich freilich von allem Anfang 
aus und er selbst langweilte sich bei mir genug schon 
beim ersten Male. — Doch mir mochten sie noch so 
viel Lärm machen im Nebenzimmer, und mochten ihrer 
noch so viele dort sein, mir war es stets einerlei. Ich 
sitze die ganze Nacht und wahrlich, ich höre sie nicht, so 
sehr kann ich sie vergessen. Ich verbringe doch jede 
Nacht schlaflos bis zum Morgengrauen — das geht schon 
so ein Jahr lang. Ich sitze während der ganzen Nacht 
in meinem Lehnstuhle beim Tische und mache gar nichts. 
Bücher lese ich nur bei Tage. Ich sitze und denke nicht 
einmal, sondern sitze nur so; irgend welche Gedanken 
irren umher und ich lasse sie frei ziehen. Die Kerze 
brennt während der Nacht ganz aus. 

Ich setzte mich ruhig an den Tisch, holte meinen Re- 
volver heraus und legte ihn vor mich hin. Ich weiß noch: 
da ich ihn hinlegte, fragte ich mich: „Ja?" und mit 
voller Bestimmtheit antwortete ich mir: „Ja!" Das heißt: 
ich werde mich erschießen. Ich wußte, daß ich mich in 
dieser 'Nacht ganz bestimmt erschießen werde; wie lange 
ich aber bis dahin am Tische sitzen bleiben werde — 
das wußte ich nicht. 

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Ich hätte mich auch endgültig erschossen — wenn 
nicht Jenes Mädchen . . . 

IL 

Sehen Sie, wiewohl mir alles einerlei war, den Schmerz, 
zum Beispiel, fühlte ich schon. Hätte mich jemand ge- 
schlagen, den Schmerz hätte ich gewiß gefühlt. So auch 
in seelischer Beziehung: wäre etwas sehr Trauriges ge- 
schehen, ich hätte ebenso Mitleid empfunden, wie zur 
Zeit, da mir noch nicht alles im Leben einerlei war. Ich 
fühlte auch in diesem Falle Mitleid: einem Kinde hätte 
ich doch bestimmt gern geholfen. Warum habe ich 
dann dem kleinen Mädchen nicht geholfen? Es geschah 
infolge einer plötzlich auftauchenden Idee: als sie mich 
zupfte und rief, da erhob sich auf einmal vor mir eine 
Frage, die ich nicht lösen konnte. Die Frage war aller- 
dings müßig, aber ich wurde doch ärgerlich. Das Ärger- 
nis hatte seinen Grund in der Überlegung: wenn ich be- 
schlossen hatte, in der heutigen Nacht mein Leben zu 
beendigen, müßte mir alles noch gleichgültiger sein als je 
zuvor. Warum empfand ich denn auf einmal, daß mir 
nicht alles einerlei war, und daß ich mit jenem Mädchen 
Mitleid fühlte? Ich weiß noch, daß sie mir sehr leid 
tat, so sehr, daß ich sogar einen eigentümlichen Schmerz 
verspürte — was in meiner Lage ganz unglaublich sein 
mag. Wahrhaftig, ich kann meine damalige flüchtige 
Empfindung nicht gut schildern, aber die Empfindung 
hielt noch an, als ich schon an meinem Tische saß; ich 
war sehr erregt, wie schon lange nicht. Erwägung folgte 
auf Erwägung. Eis wurde mir klar, daß, solange ich noch 
Mensch bin und keine Null, so lange ich nicht zu Nichts 
geworden bin, ich noch immer lebe und folglich auch 
leiden, mich kränken und wegen meiner Handlungen 
schämen kann. Gut. Aber wenn ich mich — nehmen 
wir an, іц zwei Stunden — töte, was schert mich das 
kleine Mädchen, was kümmert mich Scham und über- 

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haupt die ganze Welt? Ich werde zu Nichts, zu unbe- 
dingtem Nichts. Und konnte die Erkenntnis, daß ich 
bald überhaupt nicht mehr sein würde und gewiß 
auch nichts Anderes existieren würde, auf mein Gefühl 
des Mitleids oder auf mein Schamgefühl nach begange- 
ner Niedertracht den geringsten Einfluß haben? Ich habe 
doch nur aus dem Grunde mit dem Fuß gestampft und 
das unglückliche Kind mit wilder Stimme angeschrieen, 
weil ich eben nicht nur gar kein Mitleid hier verspüre, 
sondern auch die unmenschlichste Gemeinheit begehen 
kann, da doch in zwei Stunden alles erlöschen wird. 
Glauben Sie mir, daß ich sie aus diesem Grunde an- 
geschrien habe? Ich bin jetzt überzeugt davon. Es wurde 
mir klar, daß Welt und Leben nur von meiner Person 
abhängen. Ich könnte es sogar so ausdrücken, daß die 
Welt jetzt wie für mich allein erschaffen ist: habe ich 
mich umgebracht, dann besteht die Welt nicht mehr, 
wenigstens für mich nicht. Abgesehen davon, daß mög- 
licherweise nach mir tatsächlich für keinen etwas be- 
stehen wird, daß, sobald mein Bewußtsein erloschen ist, 
sogleich auch die ganze Welt gleich einem Trugbild 
sich auflöst, als zu meinem Bewußtsein gehörig sich auf- 
löst, denn vielleicht ist die ganze Welt und alle diese Men- 
schen — nur ich selbst. Ich weiß noch, daß ich — als 
ich so dasaß und grübelte — alle diese Fragen, die ein- 
ander jagten, in das Entgegengesetzte umdrehte und 
etwas ganz Neues erfand. So hatte ich zum Beispiel fol- 
gende, sonderbare Vorstellung: Wenn ich früher auf dem 
Monde oder auf dem Mars gelebt hätte und dort eine 
so schändliche und ehrlose Tat begangen hätte, wie man 
sich nur vorstellen kann, wofür ich dort so beschimpft 
und entehrt worden wäre, wie man es nur im Traum 
oder unter einem Alpdruck fühlen kann, und wenn ich 
dann auf unserer Erde mir noch weiter dessen bewußt 
wäre, was ich auf dem anderen Planeten begangen habe, 
und außerdem noch wüßte, daß ich dorthin unter gar 
keinen Umständen zurückkehren werde — würde mir 
dann, wenn ich von hier aus auf den Mond blickte, alles 

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einerlei sein oder nicht? Würde ich dann wegen der 
dort begangenen Tat Scham empfinden oder nicht? Diese 
Fragen waren müßig und überflüssig, weil der Revolver 
bereits vor mir lag und ich aus tiefster Seele wußte, daß 
es bestimmt eintreten wer*de, aber sie brachten mich auf 
und ärgerten mich. Es war mir so, als könnte ich jetzt 
nicht sterben, bevor ich nicht etwas gelöst hätte. Kurz, 
jenes Mädchen errettete mich, weil ich mit diesen Fra- 
gen das Erschießen verschob. Beim Hauptmann wurde 
es mittlerweile nach und nach still; sie hatten 'das Spiel 
beendigt, legten sich schlafen, brummten aber noch da- 
zwischen und schimpften schläfrig zu Ende. 

Da schlief ich plötzlich, im Lehnstuhl am Tische sitzend 
ein, was bisher mit mir noch nie geschehen war. Ich 
merkte gar nicht, wie ich einschlief. 

Träume sind, wie bekannt, eine sonderbare Sache: 
das eine stellt sich uns mit erschreckender Deutlichkeit 
dar, mit miniaturartiger Sonderung der Einzelheiten, 
während man sich über anderes leicht hinwegsetzt, es gar 
nicht beachtet, so zum Beispiel über Zeit und Raum. 
Es scheint, daß nicht der Verstand die Träume lenkt, 
sondern der Wunsch — nicht der Kopf, sondern das 
Herz; indessen, was für köstliche Sachen erfand zuweilen 
mein Verstand im Traume! Da geschehen ganz unbe- 
greifliche Dinge. Zum Beispiel: mein Bruder ist vor fünf 
Jahren gestorben und ich sehe ihn zuweilen im Traume! 
Er nimmt Anteil an meinen Angelegenheiten, wir sind 
ins Gespräch vertieft, währenddessen weiß ich aber 
genau, und ich bin mir während des ganzen Traumes 
bewußt, daß mein Bruder gestorben und längst begraben 
ist. Wie kommt es dann, daß ich mich darüber gar nicht 
wundere, daß er, wiewohl er tot ist, dennoch neben mir 
sitzt und geschäftig tut? Warum läßt mein Verstand 
dies alles zu? Doch jetzt genug. Ich komme auf meinen 
Traum. Ja, ich hatte damals jenen Traum, meinen Traum 
vom dritten November. Sie necken mich jetzt damit, 
daß es doch nur ein Traum war. Aber ist es denn nicht 
einerlei, ob Traum oder nicht, sobald mir jener Traum 

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die Wahrheit verkündet hat? Hat man einmal die 
Wahrheit erfahren und sie gesehen, dann weiß man doch, 
daß sie allein die Wahrheit ist und daß es eine andere 
nicht geben kann« ganz einerlei, ob man schläft oder 
wacht. Wenn auch Traum, meinetwegen; aber ich wollte 
dieses Leben, das von euch so hoch geschätzt wird, durch 
Selbstmord beendigen und mein Traum, ja mein Traum 
verkündete mir ein neues, großartiges, wiedererstandenes, 
starkes Leben. — Hört mich an. 



III. 

Ich sagte schon, daß ich ganz unmerklich einschlief; 
es war so, als ob ich meine Grübeleien über dieselben 
Fragen fortsetzte. Auf einmal träumte mir: ich nehme 
den Revolver in die Hand und setze ihn gerade an das 
Herz, ans Herz und nicht an die Stirn; vorher hatte ich 
aber beschlossen, mich bestimmt durch einen Schuß in 
den Kopf zu töten, und zwar gerade in die rechte 
Schläfe. Nachdem ich angesetzt hatte, wartete ich eine 
oder zwei Sekunden; plötzlich begann alles um mich 
sich zu bewegen und zu schwanken, die Kerze, der 
Tisch, die Wand. Ich gab rasch den Schuß ab. 

Im Traume fällt man zuweilen von einer Höhe hinab 
oder man wird ermordet oder geschlagen, aber man fühlt 
nie einen Schmerz, außer wenn man sich tatsächlich 
irgendwie an einem Bett anschlägt; in diesem Falle emp- 
findet man Schmerz und erwacht davon fast immer. Auch 
in meinem Traume fühlte ich nur, wie sich in mir alles 
erschütterte und dann erlosch alles; rings um mich wurde 
es fürchterlich dunkel. Ich wurde gleichsam blind und 
stumm. Ich liege da auf irgend etwas Hartem, auf dem 
Rücken ausgestreckt, sehe gar nichts und vermag mich 
nicht zu bewegen. Um mich herum wird gegangen und 
geschrien, der Hauptmann brüllt, die Wirtin kreischt — 
auf einmal wieder Ruhe ... da trägt man mich schon 
im geschlossenen Sarge. Und ich fühle, wie der Sarg 

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hin und her schwankt, ich denke darüber nach und plötz- 
lich werde ich zum ersten Male bei dem Gedanken 
stutzig, daß ich doch gestorben, somit tot bin (ich weiß 
es und zweifle nicht daran) , daß ich nicht sehe und mich 
nicht bewege, wogegen ich aber noch fühle und denke. 
Doch bald finde ich mich damit ab, und nehme — wie 
gewöhnlich im Schlaf — die Wirklichkeit ohne Wider- 
spruch hin. 

Nun werde ich in die Erde gelegt. Alle entfernen sich, 
ich bleibe allein, ganz allein. Ich rühre mich nicht. So 
oft ich früher während des Lebens mir vergegenwärtigte, 
wie man mich zu Grabe bringen wird, verband ich mit 
der Vorstellung vom Grabe nur das Gefühl von Nässe 
und Kälte. Und so fühlte ich auch jetzt, daß mir sehr 
kalt war, besonders in den Zehenspitzen — aber sonst 
fühlte ich nichts. 

Ich lag so da und erwartete sonderbarerweise nichts, 
ich nahm ohne Widerspruch an, daß ein Toter nichts 
mehr zu erwarten habe. Aber es war feucht. Ich weiß 
nicht, wieviel Zeit verstrich, eine Stunde oder einige 
Tage, oder gar viele Tage. Doch plötzlich fiel auf mein 
geschlossenes linkes Auge ein Tropfen Wasser, der durch 
den Sargdeckel durchgesickert war; nach einer Minute 
fiel ein zweiter, nach einer weiteren Minute ein dritter 
und so weiter fort, jede Minute einer. Tiefe Entrüstung 
entbrannte mit einem Male in meinem Herzen und plötz- 
lich empfand ich in demselben einen physischen Schmerz. 
„Das ist meine Wunde", dachte ich, „das ist der Ein- 
schuß, dort sitzt die Kugel." Doch der Tropfen fiel noch 
immer, jede Minute und gerade auf mein geschlossenes 
linkes Auge. Und ich rief mit einem Male, nicht mit 
meiner Stimme, denn ich konnte mich nicht bewegen, 
sondern mit meinem ganzen Wesen zum mächtigen Ur- 
heber alles dessen, was mit mir geschah. 

„Wer du auch seiest, doch wenn du nur bist und wenn 
etwas Vernünftigeres existiert, als das, was soeben mit 
mir geschieht, so befiehl, daß es auch hier eintritt! Wenn 
du aber an mir Rache nehmen willst für meinen unver- 

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ständigen Selbstmord — durch die Häßlichkeit und 
durch den Widersinn eines weiteren Seins, dann wisse, 
daß keine Qual, die über mich hereinbricht, mit der 
Verachtung sich messen kann, die ich schweigend emp- 
finden werde, sei es auch im Verlauf von Jahrmillionen 
des Märtyrertums! . . .** 

Ich rief es und verstummte. Nahezu eine Minute 
dauerte das tiefe Schweigen, sogar ein Tropfen fiel noch 
herab, aber ich wußte, grenzenlos und unerschütterlich 
wußte ich es und glaubte daran, daß sich bestimmt und 
sofort alles ändern werde. Und siehe da, auf einmal 
Öffnete sich mein Grab. Das heißt, ich weiß nicht, ob 
es geöffnet und aufgegraben wurde, aber ich wurde von 
einem dunklen und mir unbekannten Wesen gepackt. Und 
wir sahen uns im Welträume. 

Ich wurde plötzlich wieder sehend. Es war tiefe Nacht; 
noch niemals herrschte eine derartige Finsternis. Wir 
flogen im Weltenraume, schon weit von der Erde ent- 
fernt. Ich stellte an den, der mich trug, keinerlei Fra- 
gen; ich war stolz und wartete. Ich versicherte mich 
selbst, daß ich keine Angst hätte und erstarb vor Ent- 
zücken bei dem Gedanken, daß ich mich nicht fürchtete. 
Ich weiß nicht, wie lange wir flogen und kann es mir 
nicht vorstellen: geschah alles so, wie immer im Traume, 
wenn man Zeit und Raum überspringt gleichwie die 
Gesetze des Seins und der Vernunft und nur an denjeni- 
gen Punkten sich aufhält, von denen unser Herz träumt? 
Ich erinnere mich, daß ich plötzlich in der Dunkelheit 
einen Stern erblickte. 

„Ist das der Sirius?" fragte ich auf einmal ganz gegen 
meine Absicht, denn ich hatte mir vorgenommen, nichts 
zu fragen. „Nein, das ist derselbe Stern, den du auf dem 
Heimwege zwischen den Wolken erblicktest**, antwor- 
tete mir das Wesen, welches mich trug. Ich wußte, daß 
es ein menschliches Antlitz hatte. Ganz merkwürdig, ich 
liebte dieses Wesen nicht, ich empfand sogar einen hef- 
tigen Widerwillen gegen dasselbe. Ich erwartete voll- 
kommenes Nichtsein und in dieser Hoffnung schoß ich 

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mir eine Kugel ins Herz. Und nun befand ich mich in 
der Macht eines Wesens, freilich keines menschlichen, 
aber eines, das in Wirklichkeit existierte. 

„So gibt es, wie es scheint, auch ein Leben nach dem 
Tode!'* dachte ich im sonderbaren Leichtsinn des Trau- 
mes; jedoch die Eigentümlichkeit meines Herzens verließ 
mich nicht: „Wenn ich von neuem sein muß'* — so 
dachte ich — „und wiederum auf irgend ein unabänder- 
liches Geheiß leben soll, dann dulde ich nicht, daß ich 
besiegt und erniedrigt werde." 

„Du weißt, daß ich dich fürchte und deshalb ver- 
achtest du mich", sagte ich plötzlich zu meinem Ge- 
fährten: ich konnte diese erniedrigende Frage, die ein 
Bekenntnis enthielt, nicht bei mir behalten und fühlte 
in meinem Herzen die Erniedrigung wie einen Nadel- 
stich. Er antwortete nicht auf meine Frage, aber ich 
empfand plötzlich, daß ich weder verachtet noch aus- 
gelacht, ja nicht einmal bemitleidet werde, und daß 
unsere Fahrt ein unbekanntes und geheimnisvolles Ziel 
verfolge, das mich allein betraf. Die Angst wuchs in 
meinem Herzen. Etwas Stummes, doch Peinigendes teilte 
sich mir von meinem stummen Gefährten mit und erfüllte 
mich ganz. Wir durchstreiften dunkle, unbekannte Wei- 
ten. Ich sah schon lange nicht mehr die dem Auge wohl- 
bekannten Gestirne. Ich wußte, daß es im Himmels- 
raume Sterne gibt, deren Strahlen erst nach Tausenden 
und Millionen von Jahren die Erde erreichen. Möglicher- 
weise hatten wir schon solche Fernen durchflogen. Ich 
erwartete irgend etwas, mit einer Sehnsucht, die mein 
Herz quälte. Plötzlich überkam mich ein bekanntes, in 
hohem Maße anheimelndes Gefühl: ich erblickte unsere 
Sonne. Ich wußte, daß es nicht unsere Sonne sein 
konnte, die unsere Erde geboren hatte, und daß wir 
von unserer Sonne unendlich fern waren. Aber ich er- 
kannte aus irgend einem Grunde, mit meinem ganzen 
Wesen erkannte ich, daß diese Sonne ganz die gleiche 
sei, wie unsere, ihr Ebenbild und ihr Doppelgänger. Ein 
süßes heimisches Gefühl voller Wonne erklang in mei- 

2 Dostojewski, Der Traum eines lächerlichen Menschen 1 7 



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ner Seele: die heilige Kraft des Lichtes, desselben, das 
mich geboren hatte, widerhallte in meinem Herzen und 
erweckte es zu neuem Leben und ich fühlte das Leben, 
das frühere Leben, zum ersten Male nach meinem Tode. 

„Aber wenn das die Sonne ist, ganz dieselbe Sonne 
wie die unsrige," rief ich aus, „wo ist dann die Erde?'* 
Und mein Begleiter zeigte mir einen kleinen Stern, der 
in der Dunkelheit in smaragdgrünem Glänze glitzerte. 
Wir flogen gerade auf ihn zu. 

„Sind denn im Weltall derlei Wiederholungen mög- 
lich? Soll das etwa ein Naturgesetz sein? . . . Und wenn 
das dort die Erde ist, ist es tatsächlich eine ebensolche 
Erde wie die unsrige . . . genau dieselbe, unglückliche, 
armselige, doch teure und ewig geliebte Erde, die im- 
stande ist, selbst in ihren undankbarsten Kindern eine 
schier qualvolle Liebe zu erwecken? . . .** So rief ich 
und zitterte ganz vor unbezwingbarer, wonnedurchström- 
ter Liebe zu jener teuren früheren Erde, die ich ver- 
lassen hatte. Die Gestalt jenes armen Mädchens, das ich 
gekränkt hatte, tauchte vor mir auf. 

„Du wirst alles sehen!** antwortete mein Gefährte. 
Ich hörte eine eigentümliche Trauer aus seinen Worten. 

Wir näherten uns rasch dem Planeten. Er wuchs in 
meinen Augen, ich unterschied bereits den Ozean, die 
Umrisse von Europa, doch plötzlich flammte in meinem 
Herzen ein sonderbares Gefühl von einer mächtigen 
heiligen Eifersucht auf. 

„Wie kann es eine solche Wiederholung geben, und 
zu welchem Zweck? Ich liebe, ich kann nur diejenige 
Erde lieben, die ich verlassen habe, wo die Spuren mei- 
nes verspritzten Blutes zurückblieben, da ich Undank- 
barer durch einen Schuß ins Herz mein Leben beendigte. 
Aber nie und nimmer habe ich aufgehört, diese Erde zu 
lieben. Ich liebte sie sogar in dieser Nacht, da ich von 
ihr Abschied nahm, vielleicht inniger und qualvoller als 
je zuvor. Gibt es auf dieser neuen Erde auch eine Qual? 
Auf unserer Erde können wir nur mit Qualen und nur 
durch Qualen wahrhaft lieben! Wir verstehen nicht an- 

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ders zu lieben und kennen auch keine andere Liebe. In 
diesem Augenblick begehre ich und lechze danach, nur 
diese Erde zu küssen und mit meinen Tränen zu be- 
netzen, die ich verlassen habe; ein Leben auf einer an- 
deren Erde wünsche ich nicht und nehme es nicht an!*' 
Doch mein Gefährte hatte mich schon verlassen. Ich stand 
plötzlich, für mich ganz unverhofft, auf dieser anderen 
Erde, im hellen Glänze eines sonnigen, paradiesisch herr- 
lichen Tages. Ich befand mich anscheinend auf einer 
jener Inseln, die auf unserer Erde den griechischen Ar- 
chipel bilden, vielleicht auch irgendwo an der Küste des 
Festlandes, das an jenen Archipel anschließt. Oh, alles 
war genau so wie bei uns, nur schien alles sonderbar fest- 
lich zu leuchten, in großer, heiliger Feierlichkeit. Das lieb- 
liche smaragdgrüne Meer plätscherte leise an die Gestade 
und liebkoste sie mit deutlich sichtbarer, nahezu bewuß- 
ter Liebe. Hohe, prächtige Bäume standen in voller 
Pracht ihrer Blüten; ihre zahllosen Blätter begrüßten 
mich mit ihrem leisen, lieblichen Rauschen und sprachen 
geradezu Worte der Liebe zu mir. Die Wiesen leuch- 
teten von hellprangenden, duftenden Blumen. Vögel 
flogen in Scharen durch die Luft; sie setzten sich ohne 
Furcht auf meine Schultern und Hände und schlugen 
mich mit ihren lieblichen, flatternden Flügelchen. Und 
zum Schluß sah ich noch die Bewohner dieser glück- 
lichen Erde und lernte sie kennen. Sie kamen selber zu 
mir, umringten und küßten mich. Kinder der Sonne, 
ihrer Sonne — oh, wie waren sie herrlich I Nie hatte ich 
auf unserer Erde solch eine Schönheit im Menschen ge- 
sehen. Vielleicht könnte man an unseren Kindern, in den 
allerersten Jahren ihres Lebens, einen entfernten schwa- 
chen Abglanz jener Schönheit finden. Die Augen dieser 
Glücklichen strahlten in hellem Glänze. Aus ihren Ge- 
sichtern leuchtete Vernunft und eine bis zur höchsten 
Ruhe gediehene Erkenntnis; doch diese Gesichter waren 
heiter. Aus den Worten und den Stimmen dieser Men- 
schen klang eine kindliche Freude. Oh, bei ihrem ersten 
Anblick verstand ich sofort alles, alles! 

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Das war nicht unsere, durch den Sündenfall verdor- 
bene Erde; da lebten Menschen, die die Sünde nicht 
kannten — lebten in demselben Paradiese, in dem nach 
der Überlieferung der ganzen Menschheit unsere sün- 
digen Ureltern gelebt hatten, nur mit dem Unterschiede, 
daß hier die ganze Erde überall ein großes Paradies 
war. Diese Menschen drängten sich freudig lächelnd um 
mich und liebkosten mich. Sie führten mich zu sich und 
jeder von ihnen hatte den Wunsch, mich zu beruhigen. 
Oh, sie fragten mich nach nichts, sondern sie wußten 
bereits — wie es mir schien — alles, und sie wollten 
nur schneller das Leid aus meinem Antlitz verscheuchen. 

IV. 

Sehen Sie, noch einmal: mag das vielleicht nur ein 
Traum gewesen sein! Aber die Empfindung der Liebe, 
die ich von diesen unschuldigen, herrlichen Menschen er- 
fahren habe, blieb in mir für ewig, und ich fühlte, daß 
von dorther ihre Liebe sich auch jetzt noch auf mich er- 
gießt. Ich sah sie selbst, lernte sie kennen und überzeugte 
mich von allem; ich liebte sie und litt später für sie. Oh, 
ich begriff sogleich, sogar damals, daß ich sie in man- 
chem nicht würde verstehen können; als zeitgenössischem 
russischen Fortschrittler und widerlichen Stadtmenschen 
erschien es mir zum Beispiel unerklärlich, daß ihnen, 
wiewohl sie so viel wußten, unsere Wissenschaft fremd 
war. Aber bald begriff ich, daß ihr Wissen durch an- 
dere Erkenntnisse als bei uns auf Erden ergänzt und ge- 
nährt wurde und daß auch ihre Ziele ganz andere 
waren. Sie wünschten sich nichts und waren ruhig; sie 
strebten nicht nach der Erkenntnis des Lebens, wie wir 
es tun, denn ihr Leben war ganz ausgefüllt. Jedoch ihr 
Wissen war tiefer und höher als unseres; denn unsere 
Wissenschaft trachtet das Wesen des Lebens zu erklären 
und sucht es zu ergründen, um die anderen zu lehren, 
wie man leben soll; — sie wußten aber auch ohne 

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Wissenschaft, wie sie zu leben hätten. Das verstand ich, 
doch ihr Wissen konnte ich nicht begreifen. Sie zeigten 
auf ihre Bäume und ich konnte jenen Grad der Liebe 
nicht erfassen, mit der sie auf sie blickten, genau so, als 
wenn sie gleiche Geschöpfe vor sich hätten. Wissen Sie, 
vielleicht täusche ich mich nicht, wenn ich sage, daß sie 
mit ihnen sprachen! Ja, sie erfanden deren Sprache und 
ich bin davon überzeugt, daß jene sie verstanden. So sahen 
sie auch auf die gesamte Natur — auf die Tiere, die 
mit ihnen zusammenlebten, sie nie überfielen, bezähmt 
durch die Liebe der Menschen. Sie deuteten auf die 
Sterne und sagten mir etwas von ihnen, das ich nicht ver- 
stehen konnte; aber ich bin fest davon überzeugt, daß sie 
durch irgend etwas mit den Himmelskörpern in Verbin- 
dung standen — nicht allein im Gedanken, sondern 
wirklich. Oh, diese Menschen bemühten sich nicht, daß 
ich sie verstünde, sie liebten mich ja ohnedies; dafür 
wußte ich, daß auch sie mich niemals verstehen würden 
und darum erzählte ich ihnen fast nie von unserer Erde. 
Ich küßte nur in ihrer Gegenwart die Erde, auf der sie 
lebten, und vergötterte sie selbst, ohne je ein Wort zu 
sagen; sie sahen es und ließen sich vergöttern, ohne sich 
zu schämen, daß ich es tat — weil sie so viel liebten. 
Sie litten nicht um meinetwillen, wenn ich zuweilen mit 
Tränen in den Augen ihre Füße küßte; voller Freude 
empfand ich es in meinem Herzen, mit wie mächtiger 
Liebe sie mir vergelten werden. Zuweilen fragte ich mich 
ganz verwundert: wie brachten sie es zustande, solch 
einen Menschen wie mich kein einziges Mal zu be- 
leidigen und nie in mir ein Gefühl von Neid oder Eifer- 
sucht zu erwecken? Oftmals fragte ich mich, warum 
ich — solch ein Schwätzer und Lügner — vor ihnen 
nicht von meinen Erkenntnissen sprach, von denen sie 
natürlich keine Ahnung hatten — daß ich niemals den 
Wunsch hatte, sie damit in Staunen zu versetzen, oder 
auch nur aus Liebe zu ihnen? Sie waren ausgelassen und 
fröhlich wie Kinder. Sie lustwandelten in ihren präch- 
tigen Hainen und Wäldern und sangen dabei ihre herr- 

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liehen Lieder; sie nährten sich von leichter Kost, von 
Früchten ihrer Bäume, vom Honig ihrer Wälder und 
von der Milch ihrer so anhänglichen Tiere. Um Nahrung 
und Kleidung mühten sie sich nur, wenig. Sie kannten die 
Liebe und gebaren Kinder, doch niemals bemerkte ich 
unter ihnen ein Auflodern jener grausamen Wollust, die 
fast alle Menschen auf unserer Erde überkommt, die der 
einzige Ursprung aller menschlichen Sünden ist. Sie freu- 
ten sich ihrer neugeborenen Kinder als neuer Genossen 
ihres Glückes, sie kannten keinerlei Hader noch Eifer- 
sucht; sie wußten nicht einmal, was dies bedeute. Ihre 
Kinder gehörten allen, denn alle bildeten sie eine Fa- 
milie. Es herrschten dort fast gar keine Krankheiten, ob- 
wohl sie auch starben; aber ihre Greise schieden sanft 
aus dem Leben, als wenn sie einschliefen — umringt von 
denen, die Abschied von ihnen nahmen, ihnen zulächelnd 
und sie segnend, vom seligen Lächeln der Umstehenden 
begleitet. Trauer oder Tränen sah ich dabei nie, es war 
nur eine bis zur Verzückung, zur ruhigen, vollen und ge- 
klärten Begeisterung gesteigerte Liebe. Man konnte glau- 
ben, daß sie mit ihren Toten auch nach dem Tode noch 
in Verbindung standen; daß ihre irdische Zusammen- 
gehörigkeit durch den Tod nicht gelöst wurde. Sie be- 
griffen mich nicht, als ich sie über das ewige Leben be- 
fragte, sie waren scheinbar so sehr davon über- 
zeugt, ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, daß 
diese Frage für sie nicht bestand. Sie hatten keine Tem- 
pel, doch es bestand ein echtes, lebendiges, ununterbro- 
chenes Sicheinsfühlen mit dem All. Sie kannten keinen 
Glauben, dafür hatten sie die feste Oberzeugung, daß, 
sobald ihre irdische Freude die durch die Natur gege- 
benen Grenzen erreicht hatte, für alle, sowohl für die 
Lebenden wie für die Toten eine noch innigere Berüh- 
rung mit dem All eintreten werde. Sie erwarteten diesen 
Augenblick mit Freude, aber nicht mit Ungeduld und 
nicht mit leidenschaftlicher Sehnsucht, sondern so, als 
wenn sie ihn im Vorgefühl ihres Herzens schon besäßen» 
wovon sie einander Mitteilung machten. Des Abends und 

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vor dem Schlafengehen liebten sie es, harmonische, wohl- 
klingende Chöre zu singen. In diesen Gesängen gaben 
sie alle jene Gefühle wieder, die der scheidende Tag 
ihnen gebracht hatte; sie priesen ihn und nahmen Ab- 
schied von ihm. Sie priesen auch die Natur, die Erde, 
das Meer und die Wälder. Sie liebten es, über einander 
Lieder zu dichten und lobten einander wie Kinder; es 
waren sehr einfache Lieder, aber sie kamen vom Herzen 
und drangen zum Herzen. Nicht allein in Liedern, son- 
dern in ihrem ganzen Üben verbrachten sie die Zeit 
damit, daß sie einander liebten. Das war geradezu eine 
gegenseitige Verliebtheit, eine vollständige und allge- 
meine. Ihre anderen Lieder, voll Triumph und Ver- 
zückung, konnte ich überhaupt nicht verstehen. Wenn 
ich auch die Worte verstand, ich konnte doch nie in 
ihren Sinn ganz eindringen. Das alles war meinem Ver- 
stände wie unzugänglich, doch mein Herz wurde davon 
immer mehr und mehr durchdrungen, ohne daß ich 
wußte, auf welche Weise. Ich erzählte ihnen öfters, daß 
ich all das schon früher vorausgeahnt hatte, daß diese 
Freude und Seligkeit mir schon auf unserer Erde als 
mächtige Sehnsucht erschienen war, die sich zeitweilig 
zu unerträglichem Leid steigern konnte; daß ich sie alle 
und ihr Glück in den Träumen meines Herzens und in 
den Phantasien meines Geistes vorausgeahnt hatte, daß 
ich oft — als ich noch auf unserer Erde war, die unter- 
gehende Sonne nicht ohne Tränen betrachten konnte . . . 
daß in meinem Hasse gegen unsere Menschen ein Gram 
verborgen war: warum konnte ich sie nicht hassen, da 
ich sie nicht liebte, warum konnte ich nicht anders, als 
ihnen verzeihen, da doch in meiner Liebe der Gram ver- 
borgen war: warum kann ich sie nicht lieben, da ich sie 
doch nicht hasse? Sie hörten mir zu, doch ich merkte, 
daß sie sich das, was ich sagte, nicht vorstellen konnten; 
trotzdem bedauerte ich nicht, es ihnen gesagt zu haben: 
ich wußte, daß sie es begriffen hatten, wie mächtig meine 
Sehnsucht nach denen war, die ich verlassen hatte. Ja, 
wenn sie mich mit ihren freundlichen, liebevollen Blicken 

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ansahen, wenn ich fühlte, daß bei ihnen auch mein 
Herz so unschuldig und rechtschaffen wurde wie die 
ihrigen, dann tat es mir nicht leid, daß ich sie nicht ver- 
stand. Das Gefühl der Lebensfülle machte meinen Atem 
stocken und schweigend betete ich sie an. 

Oh, jetzt lachen mir alle ins Gesicht und versichern 
mir, daß man derlei Einzelheiten, wie ich sie eben mit- 
geteilt habe, im Traume gar nicht sehen könne; daß ich 
im Traum nur eine einzige Empfindung gehabt hätte, 
durch die Phantasie erzeugt, die Einzelheiten hätte ich 
dann, nach dem Erwachen, selbst erdichtet. Und als ich 
ihnen gestand, daß es vielleicht in der Tat so war — mein 
Gott, welch Gelächter erhoben sie da, welchen Spaß 
bereitete das ihnen! Freilich hatte mich nur die Empfin- 
dung meines Traumes überwältigt und sie allein sich in 
meinem wunden, blutenden Herzen erhalten; dafür aber 
waren die wirklichen Bilder und Gestalten meines Trau- 
mes, das heißt diejenigen, die ich tatsächlich in der 
Stunde meines Traumes vor mir gesehen habe — erfüllt 
von solcher Harmonie, so bezaubernd, prächtig und 
dermaßen wahr, daß ich nach dem Erwachen selbst- 
redend nicht imstande war, sie mit unseren schwachen 
Worten zu versinnbildlichen, so daß sie in meiner Er- 
innerung verbleiben mußten. Vielleicht war ich wirklich 
unbewußt genötigt, später die Einzelheiten zu erdichten, 
freilich auch zu entstellen, besonders bei meinem leiden- 
schaftlichen Wunsche, rasch, wenn auch nur einige die- 
ser Bilder wiederzugeben. Wie soll mir deshalb nicht ge- 
glaubt werden, daß alles so war? Vielleicht noch tau- 
sendmal schöner war, besser und freudevoller, als ich 
erzählen kann? Mag es ein Traum gewesen sein; aber 
war es denn möglich, daß alles das nicht gewesen sei? 
Wissen Sie, ich werde Ihnen ein Geheimnis sagen: das 
ganze war vielleicht überhaupt kein Traum! Denn hier 
geschah etwas derartiges, etwas so erschreckend Wah- 
res, daß man es im Schlafe gar nicht träumen konnte. Mag 
auch mein Herz diesen Traum erzeugt haben: war denn 
mein Herz allein imstande, jene erschreckende Wahrheit 

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zu erfinden, die ich später erlebte? Wie hätte ich allein 
das erfinden, oder erträumen können? Konnten mein 
kleinliches Herz und mein launischer, nichtiger Ver- 
stand sich bis zur Entdeckung einer solchen Wahr- 
heit emporschwingen? Ach, urteilen Sie selbst: ich habe 
es bis jetzt verschwiegen, aber jetzt werde ich noch eine 

Wahrheit hinzufügen. Die Sache ist die, daß ich 

sie alle verdarb! 

V. 

Ja, ja, es endete damit, daß ich sie alle verdarb! Wie 
das sich ereignen konnte, weiß ich nicht, doch erinnere 
ich mich deutlich, daß es so kam. Der Traum durchflog 
Jahrtausende und hinterließ bei mir nur den Gesamtein- 
druck. Ich weiß nur, daß die Ursache des Sündenfalles 
ich war. Gleich einer scheußlichen Trichine, wie der 
Keim einer Seuche, die ganze Länder erfaßt, so habe 
auch ich diese Erde angesteckt, die vor meiner Ankunft 
glücklich und frei von Sünde war. Sie lernten von mir 
das Lügen, fanden Gefallen am Lügen und erkannten den 
Reiz der Lüge. Oh, das begann vielleicht unschuldig, 
nur zum Spaß, aus Koketterie, als ergötzliches Spiel, viel- 
leicht in der Tat aus einem Keim, doch dieser Keim der 
Lüge drang in ihre Herzen und gefiel ihnen sehr. Darauf 
entstand bald Wollust, aus Wollust Eifersucht, aus Eifer- 
sucht Grausamkeit . . . oh, ich weiß nicht wie, ich kann 
mich dessen nicht erinnern, genug, daß bald, sehr bald, 
das erste Blut floß: sie waren verwundert und entsetzt und 
fingen an, auseinander zu gehen und sich voneinander zu 
trennen. Es entstanden Verbindungen, aber solche gegen- 
einander. Es begannen Vorwürfe und Beschuldigungen. 
Sie lernten die Scham kennen und erhoben dieselbe zur 
Tugend. Es entstand das Ehrgefühl; jede Verbindung 
erhob ihr eigenes Banner. Sie begannen die Tiere zu 
quälen und diese liefen von ihnen fort in die Wälder und 
wurden ihnen feind. Es begann ein Kampf um Sonderung 
und Trennung, um Persönliches, um Mein und Dein. Sie 

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I 



fingen an t in verschiedenen Sprachen zu reden. Sie lern- 
ten das Leid kennen und gewannen es lieb; sie lechzten 
nach Qualen und behaupteten, daß man zur Wahrheit nur 
durch Qual gelangen könne. Jetzt erschien bei ihnen die 
Wissenschaft. Nachdem sie schlecht geworden waren — 
begannen sie von Brüderlichkeit und Menschlichkeit zu 
sprechen und erfaßten erst diese Ideen. Nachdem sie zu 
Verbrechern geworden waren, erfanden sie die Gerechtig- 
keit und schrieben sich ganze Gesetzbücher vor, um sie 
zu beschützen; und zur Sicherung der Gesetzbücher stell- 
ten sie eine Guillotine auf. Sie erinnerten sich kaum 
noch dessen, was sie verloren hatten; ja, sie wollten nicht 
einmal daran glauben, daß sie einstens unschuldig und 
glücklich gewesen waren. Sie lachten sogar schon über 
die Möglichkeit eines solchen früheren Glückes und nann- 
ten es ein Hirngespinst. Sie konnten sich dasselbe gar 
nicht vorstellen und in Formen versinnbildlichen, doch 
etwas war seltsam und wunderlich: wiewohl sie jeden 
Glauben an ihr gewesenes Glück verloren hatten und es 
nur ein Märchen nannten, begehrten sie doch so heftig, 
wieder von neuem unschuldig und glücklich zu sein, daß 
sie vor den Wünschen ihres Herzens gleich Kindern auf 
die Knie fielen, diese Wünsche vergötterten, Tempel er- 
bauten und anfingen, ihre eigene Idee, ihren eigenen 
„Wunsch" anzubeten; zu gleicher Zeit glaubten sie fest 
an die Unerfüllbarkeit desselben und beteten ihn dennoch 
unter Tränen an und sanken vor ihm auf die Knie. Und 
trotz alledem, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, 
zu dem Zustande der Unschuld und der Glückselig- 
keit, den sie verloren hatten, zurückzukehren, und wenn 
ihnen jemand plötzlich diesen Zustand gezeigt und sie 
befragt hätte, ob sie zu ihm zurückzukehren wünschten — 
sie würden es gewiß abgelehnt haben. Sie sprachen zu 
mir: „Mögen wir Lügner, böse und ungerechte Men- 
schen sein, wir wissen das und weinen deswegen, wir 
martern uns dafür, wir strafen uns vielleicht mehr als 
selbst jener barmherzige Richter, der uns richten wird 
und dessen Namen wir nicht kennen. Aber wir haben 

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eine Wissenschaft und mit ihrer Hilfe werden wir von 
neuem die Wahrheit finden; doch werden wir sie dann 
bewußt aufnehmen: Erkenntnis steht über dem Gefühl, 
die Erkenntnis des Lebens — steht über dem Leben. 
Die Wissenschaft wird uns Weisheit bringen, die Weis- 
heit wird uns die Gesetze zeigen; und die Kenntnis der 
Gesetze des Glückes steht höher als das Glück selbst." 
Das sprachen sie. Und nach solchen Worten gewann 
jeder sich selbst mehr lieb als alle anderen — ja, sie konn- 
ten auch nicht anders handeln. Jeder wurde so sehr auf 
sein eigenes Ich bedacht, daß er aus allen Kräften be- 
strebt war, die anderen ja nur zu erniedrigen und zu 
unterdrücken; und darin sah er den Zweck seines Le- 
bens. So kam Sklaverei, ja, es gab sogar freiwillige Skla- 
verei; die Schwachen unterwarfen sich gern den Stärke- 
ren, nur mit der Bedingung, daß sie ihnen behilflich 
seien, die noch Schwächeren zu unterdrücken. Es traten 
Gerechte auf, die zu diesen Menschen kamen und ihnen 
mit Tränen ihren Stolz vorhielten und über den Verlust 
von Maß und Harmonie und über die Einbuße der 
Scham sprachen. Sie wurden verlacht und mit Steinen 
beworfen. Heiliges Blut floß auf den Schwellen der 
Tempel. Dafür aber erschienen Leute, die ausfindig zu 
machen versuchten: wie könnten sich alle wieder ver- 
einigen und wie könnte jeder seine Selbstliebe pflegen, 
ohne seine Nächsten zu stören? Auf diese Art würden 
alle wieder gemeinsam wie in einer einträchtigen Gesell- 
schaft leben. Ganze Kriege entstanden wegen dieser Idee. 
Alle Kriegführenden waren fest davon überzeugt, daß 
Wissenschaft, Weisheit und Selbsterhaltungstrieb zu 
guter Letzt die Menschen zwingen würden, sich zu einer 
einträchtigen vernünftigen Gesellschaft zusammenzufinden; 
und darum waren alle „Weisen" bemüht, vorläufig zur 
Abkürzung des Prozesses rasch alle Nichtweisen, die ihre 
Ideen nicht verstanden, auszurotten, damit sie dem 
schließlichen Triumph ihrer Idee nicht im Wege stünden. 
Aber der Selbsterhaltungstrieb wurde bald schwächer, 
es erschienen Stolze und Wollüstige, die geradezu for- 

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derten: Alles oder Nichts. Um alles zu erreichen, nahm 
man Zuflucht zum Verbrechen, und wenn es mißlang 
— zum Selbstmord. Es kamen Religionen auf mit dem 
Glauben an das Nichtsein und an die Selbstvernichtung 
zum Zwecke ewiger Ruhe im Nichts. Endlich wurden 
diese Menschen müde in ihrer sinnlosen Arbeit und in 
ihren Gesichtern machte sich das Leiden bemerkbar. Und 
sie verkündeten: daß Leiden Schönheit bedeute, denn 
nur im Leiden sei ein Sinn enthalten. Sie priesen das 
Leiden in ihren Liedern. Ich ging unter ihnen umher, 
händeringend und klagend, aber ich liebte sie vielleicht 
noch mehr als damals, da auf ihren Gesichtern noch 
nicht das Leiden lag, ab sie noch unschuldig und wunder- 
schön waren. Ich gewann ihre durch sie entweihte Erde 
noch mehr lieb als früher, da sie noch ein Paradies war, 
und nur deshalb, weil auf ihr das Leid erschienen war. 
Ach, ich liebte stets Leid und Gram, aber nur für mich, 
für mich allein; doch um sie weinte ich, da sie mich 
dauerten. Ich streckte ihnen meine Arme entgegen und be- 
schuldigte, verachtete und verfluchte mich selbst voller 
Verzweiflung. Ich sagte ihnen, daß an all dem nur ich, 
ich allein schuld sei; daß ich ihnen die Verderbnis, 
Seuche und Lüge gebracht hätte. Ich flehte sie an, mich 
ans Kreuz zu schlagen; ich lehrte sie ein Kreuz zimmern. 
Ich vermochte nicht, ich hatte die Kraft nicht, mich selbst 
zu töten; ich wollte von ihnen Martern empfangen, ich 
dürstete nach Martern, dürstete danach, daß in diesen 
Martern mein Blut Tropfen um Tropfen schwinde. Aber 
sie, sie lachten mich nur aus und hielten mich am Ende 
für blödsinnig. Sie verteidigten mich: sie sagten, sie hätten 
nur das bekommen, was sie sich selbst gewünscht hatten 
und alles hätte gar nicht anders sein können. Endlich 
aber erklärten sie mir, daß ich ihnen gefährlich werde 
und daß sie mich ins Narrenhaus stecken würden, wenn 
ich nicht schwiege. Da drang das Leid mit solcher Hef- 
tigkeit in meine Seele ein, daß sich mein Herz zu- 
sammenkrampfte und ich fühlte, daß ich sterben müsse, 
und da .... ja, da erwachte ich. 

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Es war schon Morgen, das heifit vor Sonnenaufgang, 
aber schon gegen sechs Uhr. Ich erwachte im selben 
Lehnstuhl, meine Kerze war schon heruntergebrannt; 
beim Hauptmann schlief alles und es herrschte ringsum 
eine in unserer Wohnung seltene Stille. Zu allererst sprang 
ich ganz ungewöhnlich verwundert auf; niemals noch war 
mir Ahnliches vorgekommen: so zum Beispiel war ich 
noch nie einfach im Lehnstuhl eingeschlafen. Da plötzlich 

— während ich dastand und langsam zu mir kam — 
plötzlich tauchte vor mir mein Revolver auf — geladen, 
schußbereit — doch augenblicklich stieß ich ihn von mir! 
Oh, jetzt nur Leben, Leben! Ich erhob meine Arme und 
rief die ewige Wahrheit an; nein, ich rief nicht, sondern 
schluchzte auf; Verzückung, unendliche Verzückung er- 
faßte mein ganzes Wesen. Ja, Leben und — Verkünden! 
Das Verkünden beschloß ich im selben Augenblicke und, 
wahrlich, fürs ganze Leben. Ich gehe verkünden, ich will 
verkünden! Was? — Die Wahrheit, denn ich habe sie 
gesehen, gesehen mit eigenen Augen, in ihrer ganzen 
Herrlichkeit ! 

Und seit jener Zeit verkünde ich! Noch mehr, ich liebe 
alle, die mich verlachen, mehr ab alle anderen. Warum es 
so ist, ich weiß es nicht und kann es mir nicht erklären 

— doch mag es so sein. Sie sagen, daß ich jetzt schon 
ganz irre bin, dasrfieißt, wenn ich heute schon sehr arg 
irre bin, was wird dann noch weiter mit mir geschehen? 
Es ist volle Wahrheit: ich werde irre und vielleicht wird 
es später noch schlechter sein. Gewiß werde ich noch oft 
iire gehen, bis ich gefunden habe, wie ich verkünden soll, 
das heißt, mit welchen Worten und welchen Taten, denn 
das ist sehr schwer. Ich sehe jetzt schon alles hell wie den 
Tag, aber hört mich: wer verirrt sich denn nicht? Indessen 
alle Menschen gehen doch zu demselben Ziele, wenigstens 
trachten sie nach demselben Ziele, vom Weisen bis zum 
letzten Verbrecher, nur auf verschiedenen Wegen. Das ist 
eine alte Wahrheit, doch etwas ist dabei Neues: ich 
kann mich ja gar nicht so sehr verirren. Weil ich doch 
die Wahrheit gesehen habe, ich habe sie gesehen und 

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weiß es, daß die Menschen, ohne die Fähigkeit hier auf 
Erden zu leben verloren zu haben, schön und glücklich 
sein können. Ich will und kann es nicht glauben, daß das 
Böse der ursprüngliche Zustand des Menschen sei. Ge- 
rade über diesen meinen Glauben lachen ja alle. Wie soll 
ich nicht Glauben verdienen: ich habe die Wahrheit ge- 
sehen, nicht,- daß ich sie mit dem Verstände erfunden 
hätte, nein, ich habe sie gesehen, wirklich gesehen und ihr 
lebendiges Bild hat meine Seele auf ewig erfüllt. Ich habe 
sie in solch vollendeter Gestalt gesehen, daß ich nicht 
glauben kann, sie könnte nicht unter den Menschen sein. 
Nun, wie soll ich mich da verirren? Gewiß werde ich 
selbst öfter vom Wege abirren; vielleicht werde ich sogar 
mit unrichtigen Worten sprechen, aber nicht lange: das 
lebendige Bild dessen, was ich gesehen habe, wird mich 
überall begleiten und mich immer auf den richtigen Weg 
zurückführen. Oh, ich bin mutig, frisch, ich gehe, ich 
gehe und sei's auch auf tausend Jahre. Wisset, im Anfang 
wollte ich sogar verheimlichen, daß ich jene Menschen 
verdorben habe, doch das war ein Fehler — seht her, 
schon der erste Fehler! Doch die Wahrheit flüsterte mir 
zu, daß ich log und sie schützte mich so und brachte 
mich auf den richtigen Weg. Doch wie soll ich das Para- 
dies einrichten — ich weiß es nicht, denn ich kann es 
mit Worten nicht wiedergeben. Nach meinem Traume 
habe ich die Fähigkeit verloren, Worte zu machen. 
Wenigstens die wichtigsten, notwendigsten Worte. Das 
macht nichts: ich werde hingehen und werde immer ver- 
künden, unermüdlich; denn ich habe es ja doch mit 
eigenen Augen gesehen, wiewohl ich nicht wiedergeben 
kann, was ich gesehen habe. Und das eben können die 
Spötter nicht begreifen. „Er hat eben einen Traum ge- 
habt, einen Fieberwahn, eine Halluzination!** Oh! Ist das 
so gescheit? Und sie sind so stolz! Ein Traum? Was 
ist das, ein Traum? Und unser Leben, ist das kein 
Traum? Noch mehr: möge sich das nie verwirklichen 
und ein Paradies unmöglich sein (das begreife ich ja!) — 
nun, ich werde aber doch verkünden. Indessen ist doch 

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die Sache so einfach : an einem Tage in einer 
Stunde könnte alles durchwegs gerichtet sein 1 Vor 
allem: liebe die anderen wie dich selbst, dies ist die 
Hauptsache und es ist auch alles, mehr ist eigentlich nicht 
nötig: dann wirst du sofort wissen, wie du leben sollst. 
Im Grunde genommen ist das ja eine alte Wahrheit, die 
billionenmal gesprochen und gelesen worden ist, und doch 
hat sie sich nicht eingelebt! „Die Erkenntnis des Lebens 
steht über dem Leben, die Kenntnis der Gesetze des 
Glückes steht höher als das Glück selbst.** — Das ist es, 
wogegen angekämpft werden muß! Ich werde es. Wenn 
nur alle wollen, dann wird alles sogleich in Ordnung 
kommen. 

Und jenes kleine Mädchen habe ich ausfindig ge- 
macht . . . Ich gehe! Ich gehe! 



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NACHWORT 

Die vorliegende kleine Erzählung enthält Dostojewskis 
letzte und reifste Philosophie, abgeschlossener und um- 
fassender als die großen Werke, in denen er den Beweis 
für die Existenz des Guten geführt hat. Vielmehr, diese 
Erzählung ist Dostojewskis Philosophie in lebendiger Un- 
mittelbarkeit, allerdings in einer Ausdrucksform, die sich 
von jeder logisch-systematischen abhebt: in der Gestalt 
des unmittelbaren Erlebnisses, das jeder wissenschaftlichen 
Formel unzugänglich ist. Auf eine Grundformel gebracht, 
in logische Bahnen gezwungen, verliert diese Welt- 
anschauung ihr Leben, ihre unergründliche Tiefe und 
ihren Sinn. Sie ist unerschöpflich. Sie zu rationalisieren 
ist ebensowenig möglich, als das Leben eines Menschen 
systematisch darzustellen. Arm und dürr erscheint gegen 
sie der Versuch einer logischen Erfassung, oberflächlich 
die Erkenntnis, die nicht mehr als Erkenntnis ist. 

Die höchste Form der Weisheit ist Verkündigung, 
schöpferische Offenbarung, nicht beweisbare Lehre. Alle 
ursprünglichen Kulturen haben diese undifferenzierte 
Philosophie, die Kunst, Wissen, Gleichnis und Symbol 
in einem ist. Und gleich unmittelbar und lebensnahe ist 
die Philosophie Goethes, Kierkegaards oder Nietzsches. 

Die Russen haben keine Philosophie im Schulsinne, 
sie haben die echtere: nicht die Ethik Tolstojs, nicht die 
Religionsphilosophie Solowjews, sie haben Dosto- 
jewski. 

Das gesamte Werk Dostojewskis ist Weisheit, Erkennt- 
nis und Offenbarung, aus dem tiefsten Erleben geschöpft, 
größer als irgendein Lebenswerk Europas, nur an Goethe 
und Shakespeare meßbar. 

Der unvergleichlichen Gedankenkraft Dostojewskis ge- 

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lingt es, in einer der schlichtesten und ergreifendsten Er- 
zählungen seine ganze Weltanschauung der Güte und des 
Mitleides zu verdichten. Bedeutsam ist es, daß diese Er- 
zählung und die Legende vom Großinquisitor als Träume 
oder als Wachträume erscheinen. Einen Propheten und 
Seher nennt Hermann Hesse den Dichter Dostojewski. 
Das Tempo, die Bewegung, die Welt Dostojewskis ist 
die eines Sehers. Wie eine einzige große Vision ziehen 
die Ereignisse in Raskolnikow, in den Dämonen, im 
Idioten, in den Karamasows vorüber, den Leser in ihren 
Bann zwingend wie ein Traum oder eine Halluzination, 
überwältigend, ja vergewaltigend mit ihrer ungeheuren 
Dimension des Problems, der Charaktere, in ihrer un- 
erhörten Kraft der Spannung. Vor diesen Werken 
schweigt jede Kritik. 

Der Leser erkennt bald, daß der lächerliche Mensch 
nicht lächerlich im gewöhnlichen Sinne ist, sondern der 
ernsteste, der nur einer besinnungslosen Welt gegenüber 
lächerlich scheint. Und er erkennt, daß in diesem Traum 
tiefe Weisheit und qualvolle Erkenntnis ist. Es ist der 
Traum einer friedlichen Menschheit, eine der schönsten 
Utopien, die je geschaffen wurden, und die Einsicht in 
die Not und Notwendigkeit der Erkenntnis. 

Den Mythos vom Sündenfall durch die Erkenntnis, 
vom Ruche dieser Erkenntnis und von der Erlösung durch 
das Aufsichnehmen des Leides, hat Dostojewski in seine 
Sprache übersetzt. Aber für ihn gibt es keinen Fall» 
kein Verbrechen, das dem Menschen das Recht auf die 
Liebe nehmen könnte und um ihres Leides und ihrer 
Schuld willen liebt er die unseligen Geschöpfe noch mehr, 
ab in ihrer Unschuld und in ihrem Glück. Ihre Erkennt- 
nis ist mit Schuld bezahlt und so verkünden sie den 
Menschheitsirrtum: Die Erkenntnis des Lebens steht höher 
ab das Leben selbst. 

Ein unversöhnlicher tragischer Zwiespalt herrscht zwi- 
schen Leben und Erkenntnis. Die Erkenntnis tötet die 
Unschuld des Werdens und läßt den Menschen doch an 
der unendlichen Aufgabe verzweifeln. Diese Mensch- 

3 Dostojewski, Der Traum eine« lächerlichen Menschen 33 



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heit bedarf und fordert mehr Liebe ab die schuldreine, 
glückliche. 

Und so verkündet der Traum des lächerlichen Men- 
schen die Worte des vierten Evangeliums: liebe die 
Menschheit wie dich selbst — das ist alles — sofort 
wirst du wissen, wie du leben sollst. 

Die Erzählung fällt in die letzte Lebenszeit des Dich- 
ters und wurde im „Tagebuch eines Schriftstellers** ver- 
öffentlicht. Wie alle Werke Dostojewskis ist sie hastig 
geschrieben, mit sprachlichen Lässigkeiten . . . das Tempo 
der Feder war für die Hand, für den Lauf der Gedanken 
zu langsam. Die Übersetzung wollte diese Fehler nicht 
mildern und glätten, sondern sich getreu an die Urschrift 
halten. 

Kein Werk über Dostojewski in deutscher Sprache 
erwähnt, daß in dieser Erzählung, die er eine phan- 
tastische nennt — (»was die meisten für beinahe phan- 
tastisch und ungewöhnlich halten, erscheint mir manch- 
mal ab das tiefste Wesen der Wirklichkeit**, sagt er in 
seinen Briefen) — seine Weltanschauung, sein Glaube 
und sein Bekenntnis zu den lächerlichen Menschen liegt. 



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DIE GEFÄHRTEN 

I. REDEN BUDDHOS 

Auswahl aus den Übertragungen von 
Karl Eugen Neumann 

IL DAS TESTAMENT DES VATERS 

III. HEINRICH MANN 
Der Weg zur Macht. Die Tote 

IV. ALFRED DÖBLIN 

Lusitania. Lydia und Mäxchen. Das verwerfliche 

Schwein 

V. OTTO STOESSL 
Der Hirt ab Gott 

VI. FRITZ LAMPL 

Die Flucht 

VII. ALBERT EHRENSTEIN 

Karl Kraus 



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VIII. J. QUARTNER 
Gedichte 

IX. ERNST WEISS 
Stern der Dämonen. Franta Zun 

X. OSKAR KOKOSCHKA 
Der weiße Tiertöter 

XI. ROBERT ZELLERMAYER 
Die Erzählungen 

XII. STEFAN TAFLER 

Der Krüppel 

XIII. ALBERT EHRENSTEIN 

Briefe an Gott 

Hundert Exemplare der Briefe an Gott wurden 
auf Van Gelder-Bütten abgezogen, handgebunden, 
numeriert und vom Autor signiert 



VERLAG WALDHEIM-EBERLE A. G. 

LEIPZIG-WIEN 



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Princeton Universlty Library 



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